Eine Frage zu Kanzellenmaßen

  • Hallo liebe Leute,


    ich befasse mich derzeit mit der Planung einer zweimanualigen Hausorgel mit elektrischen Schleifladen. Hat jemand von euch Erfahrungswerte zu Kanzellenmaßen? Geplant sind 10 Register pro Manual und 8 im Pedal (so viele wegen einer Mixtur, die getrennt werden kann). Das Problem, auf das ich bei der Planung stieß war, dass die Kanzellen entweder enorm breit würden, wenn die Windlade unter allen Pfeifen stünde oder die Orgel zu tief, wenn alle Register gestaffelt stünden. Und und und... Sollte man eine kleinere Windlade anfertigen und dann Kondukten/Verführungen in den Pfeifenstöcken machen? Gibt es eine Obergrenze für die Kanzellenbreite?


    Ich hoffe, Ihr könnt mir weiter helfen!

    Liebe Grüße

    Armin

  • Hallo Armin,


    ich hatte die Diskussion zu Kanzellenmaßen einmal mit einem Orgelbaumeister. Er sagte mir, dass bei einer Disposition 8-4-2-1, wie man sie oft bei Positiven findet, die Kanzellenbreite denen der Tasten entsprechen können. So weit ich mich erinnere, meinte er auch, dass der Bass auch etwas breiter ausgestaltet werden kann. Die Windlade wird dadurch nur unwesentlich breiter als die Klaviatur. Vor diesem Hintergrund würde ich den Diskant nach Tastenteilung vornehmen und den Bass zunehmend von den Kanzellenbreite her etwas breiter werden lassen. Als Höhe dürften vermutlich 3-4 cm ausreichen.

    Der Windbedarf in den Kanzellen orientiert sich freilich auch an den Registern, die Du gerne auf die Windlade stellen möchtest. Mehere 8´ Register brauchen natürlich mehr Wind. Du stellst eine Planung mit 10 Registern pro Manual/Windlade an, hier dürfte eine Tastenteilung schon nicht mehr funktionieren.


    Wenn man sich kompakt gebaute (Klein-) Orgeln anschaut, so werden die größere (16´/ 8´-) Basspfeifen gerne nicht direkt auf die Windlade gesetzt, sondern dahinter gelegt oder seitlich angebracht. Diese Pfeifen werden dann mittels Kondukten angesteuert. Das ist vollkommen normal und findet sich in fast jeder Orgel.

    Vielleicht hat hier jemand im Forum entsprechende Erfahrungswerte oder Berechnungsformeln zu Kanzellenmaßen aus der eigenen Umsetzung.


    Viele Erfolg!

  • "Berechnungsformeln zu Kanzellenmaßen" dürften sich in Töpfers "Lehrbuch der Orgelbaukunst" finden; dort beschreibt Töpfer mit wissenschaftlicher Genauigkeit seine Untersuchungen der Strömungsverhältnisse und gibt Formeln an über Ventilmaße und Pfeifenfußdurchmesser.


    Als Ergänzung zu den im vorstehenden Beitrag genannten Ausführungen zur Gestaltung der Windladen in Hausorgeln möchte ich zwei Beispiele bringen:


    Karl Bormann läßt die Kanzellenbreiten von 19 mm im Baß auf 8 mm im Diskant verringern, die Kanzellenhöhe beträgt 30 mm.

    Das Fundamentbrett hat die Maße 1290 x 740 mm, die Ventilschlitzlänge 120 mm.


    Werner Götz liefert in der Beschreibung seiner Hausorgel die Kanzellenbreiten von 14 auf 6 mm abnehmend, die Höhe indes hier 40 mm. Sein Fundamentbrett hat die gleiche Längenausdehnung, 1290 mm, die Tiefe 600 mm, die Ventilschlitzlänge 200 mm.


    Lieber Armin, die Pfeifen eines Registers stehen üblicherweise Rücken an Rücken in zwei Reihen mit entsprechenden Verführungsschlitzen, welche in den Pfeifenstöcken eingestemmt werden; aber das wirst Du ohnehin wissen. Ein amerikanischer Orgelbaubetrieb verzichtet auf die Verführungen und baut stattdessen eine zweite Schleife für die hintere Pfeifenreihe. Das will ich auch so machen.


    Gutes Gelingen Deiner Planungen wünsche ich Dir und halte uns hier im Forum auf dem laufenden,

    Wolfgang.